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Partizipative Projekte aus dem Bereich der Japanologie

Manga und Anime – Die Jugend im Visier der japanischen Selbstverteidigungskräfte

Die Werbespots der JSDF – Ein „cooles“ Militär?

Die japanischen Selbstverteidigungskräfte nutzen seit über fünfzehn Jahren die Medien der Populärkultur (Manga und Anime) zu Informations- und Rekrutierungszwecken, die Kinder und Jugendliche dezidiert als Ziel haben. Neben einem jährlich erscheinenden Manga existiert auch ein kurzer Anime. Die gezeigten Inhalte setzen stark auf den üblichen Niedlichkeitsfaktor (kawaii) der mit Manga und Anime assoziiert wird, um militärische Inhalte zu erklären und auch um mögliche Bedrohungen auf Land und Gesellschaft darzustellen. In Japan kommen die Medien in der Jugend offensichtlich gut an, und erfüllen ihren Zweck.

Landesverteidigung als Kinderspiel

Viele von uns haben sie schon einmal gesehen. Niedliche Gestalten mit bunten Frisuren, großen Augen und nettem Auftreten. Die weltweit bekannten Zeichenstile, die in den japanischen Comics (Manga) sowie Videoproduktionen (Anime) Anwendung finden. Ob in Österreich oder Japan selbst, viele Kinder und Jugendliche erfreuen sich an den Medien der japanischen Populärkultur.

Eben jene Beliebtheit ist es, die sich auch von Behörden zu Nutze gemacht wird. Ob Warnschildern bei U-Bahnen, Gebrauchsanleitungen bei technischen Geräten sowie bei öffentlichen Aussendungen von Regierungsbehörden – Manga in Japan sind keineswegs nur etwas für Kinder. Das japanische Militär (JSDF) setzt hierbei seit Jahrzehnten auf die beliebten Comics als Mittel der Selbstdarstellung und Präsentation gegenüber der japanischen Jugend. Und dies durchaus mit breitem Arsenal – neben einem jährlich erscheinenden Manga (manga de yomu bōeihakushō) existiert auch ein eigens vom Verteidigungsministerium produzierter Anime-Kurzfilm. Ganz dem Zielpublikum entsprechend, werden die Rollen und Aufgaben der JSDF von dem kugelrunden Vogelrobotor „Boemon“ in kindgerechter, einfacher Sprache vermittelt. Doch auch ernstere Themen werden in den Publikationen zur Sprache gebracht. Die Bedrohung von Cyberkriminalität sowie die Gefahren von digitalen Hackerangriffen soll schon die Kleinsten dazu bewegen, sorgsam mit ihren Daten im Internet umzugehen.

Neben den informativen Aspekten stehen selbstverständlich auch die Rekrutierungsabsichten. Offizielle Zahlen hinsichtlich Wirkung der militärischen Manga lassen sich freilich nur schwerlich ausmachen. Da die Mitgliederanzahl der JSDF trotz überalteter Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten konstant geblieben ist, kann man annehmen, dass die tarnfarbenen Büchlein und Filme rund um Vogelroboter „Boemon“ ihren Teil dazu beigetragen haben. Übrigens: Wen nun die Leselust gepackt haben sollte, die Anime und Manga sind sowohl in japanischer als auch englischer Sprache auf der Webseite des japanischen Verteidigungsministeriums verfügbar.

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