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Partizipative Projekte aus dem Bereich der Japanologie

Sommer, Sonne, Strand und Heer – Das US-Militär in Okinawa

Okinawa, das Hawaii Japans. Es sind jedoch nicht nur die weitläufigen Strände und das kristallklare, türkis-blaue Pazifikmeer, die die Gemeinsamkeiten der Inseln ausmachen; der US-Marinestützpunkt Pearl Harbor in Hawaii beherbergt weiterhin das Hauptquartier der U.S. Navy, und in Okinawa befinden sich aktuell 31 US-Militärbasen. Obwohl die Präfektur 1972 von den USA an Japan zurückgegeben wurde, besteht die Militärpräsenz der Vereinigten Staaten auf der japanischen Inselkette weiter. Ortsansässige suchen Gehör und demonstrieren gegen neue Bauten und die Umsiedlung von Militäreinrichtungen in Naturschutzgebiete. Sogar in einem Videospiel wurde die Problematik aufgegriffen.

Ein 50-Jahr-Jubiläum nach 27 Jahren der Besatzung, 31 aktive Militärstützpunkte, und 70 Prozent der US-Militärpräsenz in Japan – das ist eine Formel mit vielen Variablen. Der Konflikt um die zahlreichen US-Militärbasen auf der Inselgruppe Okinawa ist noch längst nicht gelöst.

Das Status of Forces Agreement, kurz SOFA, wurde am 19. Januar 1960 von Japan und den USA unterzeichnet, um den Rahmen für die fortlaufende militärische Zusammenarbeit beider Länder festzulegen. Dabei ist dessen Auslegung—im Gegensatz zu anderen Abkommen, die dem Zweiten Weltkrieg folgten, etwa zwischen den USA und Deutschland oder Italien—so gestaltet, dass Japan kaum Möglichkeiten besitzt, die Aktivitäten des US-Militärs zu kontrollieren oder zu regulieren. Am 17. Juni 1971 wurde der Vertrag zur Rückgabe von Okinawa an Japan in Washington, D.C. und Tokyo unterschrieben. Davor nutzten die USA fast dreißig Jahre lang ihre verbliebene Besatzungsmacht in der südlichsten Präfektur Japans, um ihre Militärpräsenz im Pazifik auf- und auszubauen.

Die Präfektur Okinawa, ihre zahlreichen Inseln, machen nur einen Bruchteil der gesamten Landesfläche Japans aus und beherbergen weniger als 1% der japanischen Bevölkerung. Dennoch befinden sich dort zurzeit immer noch mehr als 70% der in Japan vorhandenen US-amerikanischen Militärstützpunkte. Die US-Militärpräsenz steht im Konflikt mit Umwelt- und Naturschutz, aber auch wirtschaftliche Interessen, wie die Möglichkeit, Okinawa als Tourismusstandort auszubauen, werden von der Anwesenheit von U.S. Air Force, Navy, und Marine Corps überschattet. Vor allem der jahrzehntelange Konflikt um die Verlegung des Militärstützpunkts Futenma—zuletzt nach Henoko, in der Bucht Ōura—ist ein großer Streitpunkt. Das Zentrum der Handlung im Videospiel Yakuza 3, das im März 2009 in Japan auf den Markt kam, stellt ebenfalls das Tauziehen um den Bau einer weiteren US-Militärbasis dar.

Okinawa steht nur selten im Mittelpunkt der Handlung von Filmen, Büchern oder Videospielen, und oft wird bloß die Tourismusregion, der idyllische Urlaubsort, dargestellt. In Yakuza 3 werden jedoch auch die konfliktreichen Umstände—die Verlegung Futenmas, die Kandidaturen und Wahlkämpfe zum Premierminister, und die Position der USA—in fiktiven Rollen wiedergegeben. Dem Bau einer Ferienanlage wird die Installation eines Raketenabwehrsystems an einer neuen US-Basis entgegengestellt. Dadurch sieht sich die Anwohnerschaft nahe dem fiktiven Downtown Ryukyu um Haus und Hof bedroht.

Interesse an einem wirtschaftlich und gesellschaftlich blühenden Okinawa bekundete sowohl der ehemalige Premierminister Yukio Hatoyama in seiner Wahlkampf- und Amtszeit in den 2000ern, als auch die Politiker im Videospiel. Auch wenn die zu errichtende US-Militärbasis in Yakuza 3 keinen Namen trägt, so gleichen die Bilder demonstrierender Massen im Spiel jenen der Proteste gegen die Verlegung von Futenma.

In der Forschungsarbeit wurden Ausschnitte aus dem Videospiel mit Szenen der Demonstrationen und Proteste gegen eine Umsiedelung der Marine Corps Air Station Futenma verglichen.

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