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Partizipative Projekte aus dem Bereich der Japanologie

150 Jahre Japanisch-Österreichische Beziehungen

Über das Projekt

Im Oktober 2019 jährt sich zum 150. Mal die Unterzeichnung des österreichisch-japanischen Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrags von 1869. Die Zeit markiert die Öffnung Japans nach mehr als 250-jähriger, selbstgewählter Isolation und Abschottung gegenüber dem Ausland (Edo-Zeit, 1600-1868). Unter Androhung militärischer Gewalt hatte 1853 ein amerikanisches Flottengeschwader unter dem amerikanischen Marineoffizier Commodore Matthew Perry die Militärregierung der Tokugawa-Shogune gezwungen, in den Abschluss ungleicher Zoll- und Handelsverträge einzuwilligen. Zahlreiche andere westliche Länder folgten; Österreich-Ungarn war das letzte Land, das einen solchen Vertrag mit Japan abschloss.

Information zur LV: ufind.univie.ac.at/de/course.html?lv=150002&semester=2018W

Geisha, Kirschblüte, Sukiyaki, Fujiyama, Tōkyō, Yokohama, Nagasaki…das sind nur einige Begriffe, die im Westen mit Japan assoziiert und in der Populärmusik seit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert verwendet werden. Japan war vor allem wegen seiner Präsentation bei der Wiener Weltausstellung 1873 hierzulande zur Jahrhundertwende ein Thema. Der „Japonismus“ in der bildenden Kunst arbeitete mit japanischen Motiven und Stilen. Musikalisch schlug sich die Japanbegeisterung zunächst in Operetten- und Opernwerken nieder. So beliebt waren diese, dass sie der Japanologe Sepp Linhart zur Populärmusik zählt. Die großen Erfolge von Operetten und Opern wie Der Mikado, Die Geisha oder Madama Butterfly (die meistgespielte Oper der Welt) führten zu weiteren Japan-Operetten, und zu singulären Liedern, wie sie in den 1920er Jahren überaus populär wurden. Für unser Japanbild waren sie prägend…

Vincent van Gogh Schmetterlinge und Mohnblumen, 1889 Öl auf Leinwand,35 x 25,5 cm, Van Gogh Museum, Amsterdam (Vincent van Gogh Foundation)

„Das ist eine Ausstellung, bei der man vieles entdecken kann, sei es für Fachleute, aber auch für ein Publikum, das sich dafür interessiert zu sehen, wie sich verschiedene Kulturen ineinander spiegeln und was daraus werden kann“. Kuratorin Evelyn Benesch über die Ausstellung „Faszination Japan“.

Passend zum heurigen Jubiläum „150 Jahre japanisch-österreichische Beziehungen“ fand im Kunstforum Bank Austria vom 10.Oktober 2018 bis zum 20. Jänner 2019 die Ausstellung „Faszination Japan“ statt. Gezeigt wurden neben Alltagsgegenständen, edlen Textilien und ukiyo-e, traditionellen Farbholzschnitten, auch Kunstwerke europäischer Künstler, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert von Japan beeinflusste Bilder, Objekte und vieles mehr schufen. Vermittelt wurde dem Publikum eine Bandbreite an verschiedenen Bildmotiven, Techniken und Stilen, die die Entwicklung der Moderne maßgeblich beeinflussten.

Zum ersten Mal seit seiner mehr als 200 Jahre andauernden, selbst  gewählten Isolation präsentierte sich Japan im Zuge der Pariser Weltausstellung 1873 der Außenwelt. Im Zuge der erzwungenen Öffnung Japans in den 1860-er Jahren kam es zu einem Export von Kulturgütern. Der Warenfluss, der sich vor allem über Paris verbreitete schien den wohlhabenderen, bürgerlichen Schichten damals eine schier unerschöpfliche Quelle neuer Inspiration zu sein. In den Metropolen Europas trafen Kunstschätze und Luxusartikel, aber auch „trivialer Schnickschnack“ auf enthusiastische Abnehmer. Wer etwas auf sich hielt, versuchte seinem Heim mithilfe japanischer Importartikel eine weltbürgerliche Ästhetik zu verleihen. Besonders die Weltausstellung 1867 in Paris fachte die Begeisterung für die eleganten Kunstwerke und Objekte an…

Robotik ist ein in den letzten Jahren rasch wachsender Bereich der Technik, der auf großes Forschungsinteresse auf der ganzen Welt stößt. Japan zählt zu einem der führenden Länder in der Robotik, was es zu einem attraktiven Handels- und Forschungspartner auf dem Gebiet macht. In Österreich wird Robotik ebenfalls großgeschrieben. Österreich gehört zu einem der führenden Länder in Europa, was die jährlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung betrifft. Laut einem Bericht des Institutes für Technikfolgen-Abschätzung liegen die Stärken Österreichs in diesem Forschungsbereich vor allem in den hervorragenden Ausbildungs- und Spezialisierungs-möglichkeiten. Es gibt großes Interesse einzelner Forschungsinstitute und enge Zusammenarbeit mit österreichischen Klein- und Mittelunternehmen…

Die Japanologie ist heute die wichtigste universitäre Fachrichtung für die soziale und kulturelle Auseinandersetzung mit dem japanischen Inselreich, nicht nur in Österreich. Die Anfänge des Institutes in Wien reichen ins Jahr 1938 zurück. Der Philatelist und Großindustrielle Baron Mitsui Takaharu trat im Auftrag des japanischen Außenministeriums an mit Japan befreundete Länder heran, um dort die Japanforschung zu fördern. Dies betraf Wien, Prag und Rom (in Deutschland gab es mit Berlin, Leipzig und Hamburg bereits mehrere Institute). Bereits im Austrofaschismus hatte Mitsui die Gründung eines Japan-Instituts an der Universität Wien zugesagt, umgesetzt wurde dies jedoch erst im Nationalsozialismus. Im Rahmen der Takahara-Mitsui-Stiftung finanzierte der japanische Baron Institut, Bibliothek und Gehälter…

Dienstag, der 29.04.1873. Beginnend mit der Überschrift „Der Orient in der Weltausstellung“ schreibt die Wiener Weltausstellungszeitung: „…noch bauen sie an den Modellen ihrer Häuser, Paläste und Tempel; aber eine Durchsicht der photographischen Abbildungen der Ausstellungs-Gegenstände, welche die Japanesen mitbrachten, läßt uns die Pracht und Schönheit, die technische und künstlerische Vollendung aller Zweige der Gewerbsthätigkeiten errathen, welche eine reiche, wie es scheint, erschöpfende Ausstellung ihrer gesammten Volkswirthschaft der Betrachtung und Erforschung bieten wird.“…

Hiroshima kurz nach dem Bombardement, 1945.
© Fotografie: US-Militär, Quelle: Friedensmuseum Hiroshima.

Am 6. August 1945, um 8:15 Uhr, blieben alle Uhren in Hiroshima stehen. Die erste Atombombe der Geschichte war abgeworfen worden. Drei Tage später folgte die zweite auf Nagasaki, die historisch bedeutende, wunderschöne Hafenstadt. Diese Bombe hatte eine 1,5-fach größere Zerstörungskraft als die erste. Mehr als 200.000 Menschen wurden in Hiroshima und Nagasaki auf der Stelle getötet. Zwei schöne Hafenstädte verwandelten sich in einem Augenblick in eine Atomwüste. 

Wie unzählige andere Schüler war mein Onkel Kagawa Yoshio, damals ein 13-jähriger Schüler, gerade im Stadtzentrum. Mein Großvater arbeitete als Ingenieur in der Mitsubishi-Werft in Kōbe und ließ seine Familie nach Hiroshima evakuieren, da man meinte, dass es dort sicherer sei. Hiroshima, obwohl eine militärisch wichtige, moderne Stadt, war bis dahin von größeren Luftangriffen verschont geblieben. Es war schon fast unheimlich. Nur wenige Tage zuvor war die Familie ohne Familienoberhaupt nach Hiroshima gezogen…

Schon unzählige Male trafen die Oberhäupter der Bezirke Floridsdorf und Katsushika zusammen – mal in Japan, mal in Österreich. Doch dieses Mal ist es etwas Besonderes, denn es ist das 30. Jubiläum ihrer Freundschaft und das 150. Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen Österreich und Japan. Der Bezirksvorsteher des 21. Wiener Gemeindebezirks, Georg Papai, und sein Team scheuten keine Mühen, den Gästen aus dem Bezirk Katsushika, unter der Leitung von Bezirksbürgermeister Aoki Katsunori, alles zu zeigen, was Wien – und natürlich viel mehr Floridsdorf – ausmacht…

In Österreich gibt es seit einigen Jahren eine besondere Möglichkeit, ein Stück Japan zu erleben: durch Kyūdō, japanisches Langbogenschießen. Übersetzt bedeutet der Begriff etwa „der Weg des Bogens“ und bezeichnet das Schießen mit einem gut zwei Meter langen Bogen (ursprünglich aus Bambus, heute aus Fieberglas oder Carbon gefertigt) auf eine 28 Meter entfernte, schwarz-weiße Zielscheibe: das Mato…

© Simone Fuchslueger

»Das ist das Schöne am Lesen«, sagt Milena Michiko Flašar, »dass es nicht aufhört, dass man immer weiterliest. Man liest etwas und stößt dann meistens schon wieder auf das Nächste. Man wird durch ein Buch hingeführt zum Nächsten. Und dann ergibt sich im Nachhinein ein Muster, wie ein Teppich.« Ich bin bei Milena zuhause. An der Wand gegenüber der Wohnungseingangstür hängt ein Gemälde des Künstlers, der das Cover von Ich nannte ihn Krawatte gemalt hat. Eine Darstellung von Koi, japanischen Karpfen. Darunter, auf der blauen Kommode, steht ein Bild im Stil eines Ukiyo-e, das Milenas Tante angefertigt hat. Milena sitzt mit mir im Wohnzimmer, ein großer, heller und liebevoll dekorierter Raum. Neben der Couch stapeln sich Bücher. An der Wand steht ein großes, vollbestelltes Bücherregal…

Von den etwas mehr als 2000 in Österreich lebenden Japaner*innen studieren einige hundert Musik in Wien. “Typisch”, möchte man meinen, sieht man die vielen japanischen Tourist*innen in der Wiener Staatsoper oder im Musikverein. Als Ongaku no Miyako, als Musikhauptstadt, ist Wien in Japan bekannt. Dass neben Klischee beladener Habsburg-Romantik vor allem persönliche Lebensträume und Emanzipation ein Faktor für den Zuzug meist junger Japaner*innen sind, wird dabei oft übersehen…

Am 23. Dezember 1871 bricht eine hochrangige japanische Delegation von Yokohama in die USA und nach Europa auf. Nach seiner Öffnung aus rund 250-jähriger Isolation will Japan „die westliche Civilisation“ kennenlernen, sich Know-How für die Modernisierung des Landes sichern und eine Revision der ungleichen Handelsverträge erreichen, in die es gezwungen worden ist. Im Mai 1873 trifft die Mission in Österreich-Ungarn ein. Das Urteil über Österreich fällt zwiespältig aus…

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