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Partizipative Projekte aus dem Bereich der Japanologie

Das japanische Kaffeehaus: Ein Ort des Wohlbefindens?

Kann das (japanische) Kaffeehaus als Ort  das Wohlbefinden der Menschen beeinflussen? Viele Leute, allen voran die Wiener*innen, würden diese Frage wohl, ohne zu zögern, bejahen. Tatsächlich gibt es zu dem Thema bisher erstaunlich wenig Forschung, dabei gibt es durchaus wissenschaftliche Ansätze dafür. Dazu muss zunächst das Kaffeehaus in all seiner Vielfalt als ein Ort definiert werden. Das Konzept des relational well-being besagt, dass Ort, Zeit und kulturelles Umfeld Einfluss auf das Wohlbefinden haben können. So auch auf das japanische Wohlbefindens Konzept ikigai oder auch “life worth living”. Laut diesem von mir herausgearbeiteten Forschungsansatz kann man also den Sinn des Lebens durchaus im Kaffeehaus finden.

Kann das (japanische) Kaffeehaus als Ort das Wohlbefinden der Menschen beeinflussen? Viele Leute, allen voran die Wiener*innen, würden diese Frage wohl, ohne zu zögern, bejahen. Tatsächlich gibt es zu dem Thema bisher erstaunlich wenig Forschung, dabei gäbe es durchaus wissenschaftliche Ansätze dafür. Einer wird hier genauer betrachtet. 

Wie auch in Wien hat das japanische Kaffeehaus viele Facetten, das klassische kissaten, die einheitlichen Coffee-Shop-Ketten, das gemütliche Katzencafé, die angesagten Specialty-Coffee-Shops oder auch die zahlreichen nerdigen Themen-Cafés. Alles sehr verschiedene Orte, die für verschiedene Menschen verschiedene Funktionen erfüllen. Auf den ersten Blick mag dies die unterschiedlichen Arten des Kaffeehauses voneinander trennen, bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass all diese Funktionen der Kaffeehäuser untrennbar miteinander verflochten sind. 

Manche Leute gehen für ein erstes Date vielleicht gerne in das unauffällige kissa unten an der Ecke, andere vielleicht ins Sailor-Moon und wieder andere wollen vielleicht mit einem Besuch in einem angesagten Indi-Coffee-Shop punkten. Manche Studenten vergraben sich zum Lernen am liebsten anonym in der Ecke eines großen Ketten Coffee-Shops, andere bevorzugen vielleicht die Gesellschaft von flauschigen Katzen. Keine dieser vielen Formen des japanischen Kaffeehauses hat eine einzige klar definierbare Funktion, weshalb es nur sinnvoll ist, alle miteinander als eine Einheit zu betrachten. 

Um diese Einheit des japanischen Kaffeehauses nun als Faktor im Wohlbefinden der Menschen zu betrachten, reicht es, durch die richtige Linse zu schauen. In diesem Fall ist diese Linse relational well-being. Das Konzept des relational well-being besagt, dass Ort, Zeit und kulturelles Umfeld Einfluss auf das Wohlbefinden haben. Darüber hinaus sollten unter relational well-being auch immer das lokale Verständnis von Wohlbefinden in Betracht gezogen werden. Was hier das japanische Wohlbefindens Konzept ikigai als Messlatte für das Wohlbefinden im Kaffeehaus ins Spiel bringt. Ikigai wird im Englischen oft übersetzt mit “Life worth living”. Im Deutschen wird es oft mit dem Gefühl der Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens gleichgesetzt. Diese sehr allumfassenden Definitionen von ikigai übersehen oft, dass ikigai nicht nur eine statische Empfindung ist, die man entweder hat oder nicht, sondern ein facettenreiches Gefühl, das durch verschiedene Faktoren beeinflusst und aktiv erlebt werden kann. 

Dieses Erleben von ikigai wird als ikigai keiken bezeichnet und ist eine noch sehr neue Konzeption von ikigai. Sie wurde 2020 erstmals von den Freizeit-Forschern Shintaro Kono und Gordon J. Walker definiert. Kono und Walker definieren vier Komponenten von ikigai keiken: tanoshimi also Vergnügen (im Englischen als „enjoyment“ übersetzt), ganbari (Anstrengung oder „effort“), shigeki (Anregung oder „stimulation“) und iyashi (Entspannung oder „comfort“), die die Erfahrung des Gefühls von ikigai fördern können. Wenn man diese vier Komponenten genauer betrachtet, lassen sich schnell Verbindungen zu Erfahrungen, die intrinsisch mit einem Kaffeehausbesuch verbunden sind, herstellen. 

Und so beantwortet sich die zu Anfang gestellte Frage: “Kann das (japanische) Kaffeehaus als Ort das Wohlbefinden der Menschen beeinflussen?”. Ja kann es! (zumindest theoretisch)

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