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Partizipative Projekte aus dem Bereich der Japanologie

Japanologie und Journalismus

PolitikGesellschaftSpracheReligionSport ・ Gesundheit

Über das Projekt

Unsere Redaktion besteht aus Studierenden der Japanologie Wien, die im Wintersemester 2022 die Lehrveranstaltung „Japanologie und Journalismus – Medienarbeit für Japanolog*innen“ absolvieren. Hier werden ihre wissenschaftlichen Arbeiten als spannende, journalistische Online-Beiträge präsentiert. Multimediale Inhalte (Audiosequenzen, Grafiken, Videoclips, etc.) sorgen für einen detaillierten und fesselnden Einblick in die heutige japanologische Forschung. So finden der Forschungsprozess und vor allem die Forschungsergebnisse als journalistische Neuinterpretation einen Platz auf dieser Website.

Politik

Viele von uns haben sie schon einmal gesehen. Niedliche Gestalten mit bunten Frisuren, großen Augen und nettem Auftreten. Die weltweit bekannten Zeichenstile, die in den japanischen Comics (Manga) sowie Videoproduktionen (Anime) Anwendung finden. Ob in Österreich oder Japan selbst, viele Kinder und Jugendliche erfreuen sich an den Medien der japanischen Populärkultur.

Eben jene Beliebtheit ist es, die sich auch von Behörden zu Nutze gemacht wird. Ob Warnschildern bei U-Bahnen, Gebrauchsanleitungen bei technischen Geräten sowie bei öffentlichen Aussendungen von Regierungsbehörden – Manga in Japan sind keineswegs nur etwas für Kinder. Das japanische Militär (JSDF) setzt hierbei seit Jahrzehnten auf die beliebten Comics als Mittel der Selbstdarstellung und Präsentation gegenüber der japanischen Jugend. Und dies durchaus mit breitem Arsenal – neben einem jährlich erscheinenden Manga (manga de yomu bōeihakushō) existiert auch ein eigens vom Verteidigungsministerium produzierter Anime-Kurzfilm. Ganz dem Zielpublikum entsprechend, werden die Rollen und Aufgaben der JSDF von dem kugelrunden Vogelrobotor „Boemon“ in kindgerechter, einfacher Sprache vermittelt. Doch auch ernstere Themen …

Die Kurilen sind eine Inselkette, die sich zwischen der nördlichen Grenze Japans und der südöstlichen Grenze Russlands befindet. Die erste offizielle Grenze, auf die sich beide Länder geeinigt hatten, wurde durch Vertrag von Shimoda, im Jahr 1855 festgelegt. Diese Grenze lag zwischen den Inseln Etorofu und Urup. Durch diese Grenzziehung fielen die vier südlichen Kurilen-Inseln Habomai, Shikotan, Kunashiri und Etorofu in den Bereich des japanischen Territoriums. Da diese Grenzlinie die erste offiziell dokumentierte Grenze zwischen den beiden Ländern ist, werden die vier Inseln von der japanischen Regierung als japanisches Hoheitsgebiet erachtet. 

Zurzeit befinden sich die vier Inseln und die gesamte Inselkette allerdings in russischem Besitz. Die japanische Regierung bezeichnet diese Besetzung als illegal, weil Russland im Jahr 1945 begann die Inseln zu erobern – trotz des Neutralität-Paktes zwischen den beiden Ländern und dem Verbot der Eroberungen von Grund und Boden der auch von Russland anerkannten Atlantik Charta aus dem Jahr 1941 …

Ein 50-Jahr-Jubiläum nach 27 Jahren Besatzung, 31 aktive Militärstützpunkte, und 70 Prozent der U.S.-Militärpräsenz in Japan – das ist eine Formel mit vielen Variablen. Der Konflikt um die zahlreichen U.S.-Militärbasen auf der Inselgruppe Okinawa ist noch längst nicht gelöst.

Das Status of Forces Agreement, kurz SOFA, wurde am 19. Januar 1960 von Japan und den USA unterzeichnet, um den Rahmen für die fortlaufende militärische Zusammenarbeit beider Länder festzulegen. Dabei ist dessen Auslegung—im Gegensatz zu anderen Abkommen, die dem Zweiten Weltkrieg folgten, etwa zwischen den USA und Deutschland oder Italien—so gestaltet, dass Japan kaum Möglichkeiten besitzt, die Aktivitäten des U.S.-Militärs zu kontrollieren oder zu regulieren. Am 17. Juni 1971 wurde der Vertrag zur Rückgabe von Okinawa an Japan in Washington, D.C. und Tokyo unterschrieben. Davor nutzten die USA fast dreißig Jahre lang ihre verbliebene Besatzungsmacht in der südlichsten Präfektur Japans, um ihre Militärpräsenz im Pazifik auf- und auszubauen.

Die Präfektur Okinawa, ihre zahlreichen Inseln, machen nur einen Bruchteil der gesamten Landesfläche Japans aus und …

Gesellschaft

Für die Gastronom*innen der Wiener Ramen-Szene haben vegane Varianten der japanischen Nudelsuppe unterschiedliche Bedeutungen, vor allem in Bezug zur Authentizität des Gerichtes. Sie agieren im Spannungsfeld zwischen traditionellen Ernährungsweisen und aktuellen Entwicklungen in der veganen Ernährung und reagieren mit unterschiedlichen Strategien auf diese Veränderungen. Dabei wirken neben der kulinarischen und kulturellen Identität der Gastronom*innen sowohl der persönliche als auch berufliche Werdegang auf ihr Handeln ein und beeinflussen ihre Wahrnehmung davon, was als authentisch japanisch betrachtet werden kann. Die Bereitschaft der Restaurantinhaber*innen auf die Bedürfnisse ihrer Kunden einzugehen ist dabei in hohem Maße über ihren persönlichen Zugang zum Veganismus bestimmt …

Kann das (japanische) Kaffeehaus als Ort  das Wohlbefinden der Menschen beeinflussen? Viele Leute, allen voran die Wiener*innen, würden diese Frage wohl, ohne zu zögern, bejahen. Tatsächlich gibt es zu dem Thema bisher erstaunlich wenig Forschung, dabei gibt es durchaus wissenschaftliche Ansätze dafür. Dazu muss zunächst das Kaffeehaus in all seiner Vielfalt als ein Ort definiert werden. Das Konzept des relational well-being besagt, dass Ort, Zeit und kulturelles Umfeld Einfluss auf das Wohlbefinden haben können. So auch auf das japanische Wohlbefindens Konzept ikigai oder auch “life worth living”. Laut diesem von mir herausgearbeiteten Forschungsansatz kann man also den Sinn des Lebens durchaus im Kaffeehaus …

Ländliche Gebiete in Japan sind zunehmend von negativen Entwicklungen wie hohe Überalterungsraten und abnehmende Bevölkerungszahlen betroffen. Die Gemeinde Minamiaso in der Präfektur Kumamoto setzt unter anderem auf Youtube-Videos, um den Ort als attraktives Reiseziel zu bewerben. Wie dieses Reiseziel in diesen Videos präsentiert wird, war Gegenstand meiner Untersuchung: So entsteht aus dem Ort Minamiaso eine Marke, die neben einer reichhaltigen Naturlandschaft und wohltuendem Wasser auch einen Ausgleich zum hektischen Stadtleben bietet. Als touristisches Reiseziel spricht Minamiaso durch individuelle Schwerpunkte eine breite Zielgruppe an und setzt gleichermaßen auf Kooperationen mit regionalen als auch mit überregional bekannten Marken …

Sprache

Viele Charaktere in Anime und Manga haben eine ganz eigene Art zu sprechen, die sich stark von der Alltagssprache der Japaner*innen unterscheidet. Gleichzeitig gibt es ein unausgesprochenes Verständnis bei Muttersprachler*innen, dass diese Sprachstile Auskunft über Merkmale eines Charakters geben. Daher fasst man diese Sprachstile unter dem Begriff der ‚Rollensprache‘ zusammen. Lange Zeit wurde zu diesen Sprachstilen in Japan nicht geforscht, was es umso interessanter macht einen näheren Blick auf sie zu werfen …

Religion

Geister, Dämonen und spirituelle Wesen – im japanischen Volksglauben spielen diese Erscheinungen, welche weitläufig als yōkai bekannt sind, eine wesentliche Rolle. Kitsunetsuki oder auch Fuchs-besessenheit ist eines von vielen Phänomenen und lässt sich in literarischen Werken bis in das 8. Jahrhundert zurückverfolgen. Doch wurde dieses Phänomen nicht immer nur als Volksglaube wahrgenommen und sollte später auch mit psychischer Erkrankung in Verbindung gebracht werden.

Auch heute noch haben yōkai (jap. 妖怪) eine hohe Bedeutsamkeit in der Kultur Japans. Besonders gut erkennen lässt sich dies in Werken der japanischen Populärkultur, wie unter anderem Anime und Manga. Die Herkunft verschiedenster yōkai ist häufig mit Legenden verbunden und …

Jeder von uns kennt, wie sich die Religion in der Welt heutzutage verbreitet. Sind es Menschen stillstehend, oder auch direkt ansprechend mit unterschiedlichen Pamphleten, oder die offenen Kirchen, Moscheen, so wie direkter Einfluss der Familie. In der Kirche sind Musikstücke berühmter Komponisten oft ein fester Bestandteil der Sonntagsmesse, in der Populärkultur ist Gospel bekannt und mit der Modernisierung breitet sich die Religion auch im Internet aus. Wie wird aber Religion in Japan verbreitet? Buddhismus generell bekam in den letzten Jahrzehnten, eher ein dunkles Image, weil der Besuch eines Tempels in den meisten Fällen ausschließlich mit einem Begräbnis verbunden wird, oder mit einem Altar der Vorfahren in der eigenen Wohnung (butsudan). Um das Image zu modernisieren und an das Volk zu bringen, kommen die Mönche mit besonders innovativen und originellen Ideen hervor.

In Tokyo, der Hauptstadt Japans, gibt es seit einigen Jahren einen ganz außergewöhnlichen Ort. Eine Bar, versteckt nicht weit von der Metrostation Yotsuya, in einem schmalen Gebäude …

Sport

Brillante Leistungen, Alleinstellungsmerkmale, oder eine sehr lang andauernde Karriere – so machen sich Profisportler*innen meist einen Namen. Diese drei Eigenschaften treffen auf den japanischen Skispringer Kasai Noriaki zu. Der 1972 geborene Athlet war rund 30 Jahre als Skispringer international aktiv. Seine Omnipräsenz im Skisprungsport, nicht zuletzt auch sein sympathisches Auftreten, machten aus Kasai über die Jahre einen Publikumsliebling. Dabei hat er nicht nur Fans in den eigenen Reihen. Bei einer guten Platzierung freuen sich alle anderen Springer*innen, Trainer*innen und Zuschauer*innen mit ihm. Während seiner Laufbahn hat er nicht nur an etlichen Wettbewerben teilgenommen und viele gute Sprünge vollzogen, sondern auch Kameraden kommen und gehen sehen. Als Kasai bereits Ende der 80er im Weltcup sprang, wurde der heutzutage selbstverständliche Sprungstil, bei dem die Skier während des Fluges ein V formen, noch nicht von jedem Springer umgesetzt.

Doch nicht nur die Techniken der Athleten, sondern auch deren Ausrüstungen und Sprungweiten, die Schanzen von denen gesprungen wird, die Einführung eines Weltcups für Frauen, sowie die Aufmerksamkeit und Berichterstattung der Medien, haben sich seit dem Karrierebeginn von Kasai stark verändert. Seine Laufbahn stellt quasi eine Brücke zwischen dem alten und modernen Skispringen dar …

Was haben Bushido, Baseball, Schullehrer und Anime gemeinsam? So einiges!  Beim Begriff Bushido (auf Japanisch bushidō, übersetzt der „Weg des Kriegers“) denken wir zuallererst an Samurai. Die Ideologie des Bushido ist im Westen vor allem durch das gleichnamige Buch von Nitobe Inazō bekannt geworden. Ihm zufolge verkörpert der Samurai Werte wie Loyalität, Aufopferungsbereitschaft und bedingungslose Hingabe. 

Obwohl es sich dabei um eine romantisch-verklärte Darstellung der damaligen Kriegerelite handelt, hat dieses Bild sowohl im Westen als auch in Japan Fuß gefasst und wurde auch auf den Sport übertragen, insbesondere auf Baseball. Nicht umsonst heißt die japanische Baseball Nationalmannschaft „Samurai Japan“. Aber wie kam es dazu? …

Gesundheit

Coverbild des Anime „18 if“ © GONZO

Essstörungen gelten als eine der gravierendsten mentalen Erkrankungen mit den höchsten Sterberaten. Besonders die Bulimie („Ess-Brech-Sucht“) birgt große Gefahren. Betroffene sind vor allem junge Frauen. Der Anime „18if“ versucht möglichst genau widerzuspiegeln, wie Bulimie für Erkrankte eine mentale und körperliche Belastung darstellt. So wird die Figur Airi das Hauptobjekt meiner Forschung und soll Parallelen zur realen Problematik in der japanischen Gesellschaft aufzeigen.

Die Bulimie (jap.: shinkeisei taishokushō) ist ein Wegbereiter für ein Dasein voller Angst, Depressionen und sozialer Abstinenz. Erkrankte wissen oftmals keinen Ausweg. Bulimie gilt nach wie vor als Tabuthema in Japan und kommt in der japanischen Populärkultur daher kaum vor. Doch es gibt auch Ausnahmen: Wie ich in einer wissenschaftlichen Arbeit aufzeigen konnte, kommt das Thema in einem Beispiel vor, im japanischen Anime „18if“ des Animationsstudios GONZO. Dieser nimmt sich vieler, verschiedenster gesellschaftlicher Problematiken an (Depression, Mobbing, etc.) und visualisiert diese jeweils in einer Episode. Mittels Filmanalyse wurden zunächst zwei aussagekräftige Szenen objektiv festgehalten …

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